Wie kann die Cateringbranche in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder auf Wachstumskurs kommen? Mit dem Reformjahr 2026 machen die DEHOGA-Caterer dazu ihre Position klar. Auf ihrer Mitgliederversammlung im Rahmen der INTERNORGA in Hamburg forderten die Unternehmensvertreter einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel und warnten zugleich vor neuen Belastungen für den Außer-Haus-Markt. Besonders kritisch sehen sie die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf Schweinefleisch in der Gastronomie, die aus Sicht der Branche zusätzlichen Aufwand schafft und das falsche Signal zur falschen Zeit sendet.
Reformforderungen 2026: Welche Punkte die DEHOGA-Caterer jetzt nach vorn stellen
Mit dem Ruf nach dem DEHOGA Caterer Reformjahr 2026 verbindet die Branche ein klares Programm. Im Kern geht es darum, den Außer-Haus-Markt in Deutschland zu entlasten, Betriebe vor zusätzlicher Bürokratie zu schützen und wieder mehr Spielraum für Investitionen und Wachstum zu schaffen. Dabei richten sich die DEHOGA-Forderungen 2026 der Gastronomie sowohl gegen neue Belastungen als auch auf konkrete Verbesserungen für den laufenden Betrieb.
Wichtige Eckpunkte:
- Bürokratie abbauen und zusätzliche Kennzeichnungspflichten im Außer-Haus-Markt stoppen
- Tierhaltungskennzeichnung in der Gastronomie nicht ausweiten
- Steuern und Abgaben senken, um Catering- und Foodservice-Betriebe spürbar zu entlasten
- Investitionen fördern, etwa in Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltige Konzepte
- Fachkräfte sichern durch bessere Bedingungen für Aus- und Weiterbildung sowie schnellere Verfahren
- Wettbewerbsfähigkeit stärken und faire Rahmenbedingungen für heimische Betriebe schaffen
- Energiekosten dämpfen und Unternehmen in angespannten Marktphasen gezielt entlasten
- Neue Regulierung begrenzen und den Fokus auf praktikable Umsetzung bestehender Vorgaben legen
- Kita- und Schulverpflegung fördern und branchengerechte Modelle weiterentwickeln
- Dialog mit der Politik intensivieren, damit Reformen schneller in der Praxis ankommen
Sieben Prozent Mehrwertsteuer bleiben für die Branche ein zentrales Signal
Für die Caterer im DEHOGA ist der dauerhaft ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf Speisen ein wichtiger Baustein der wirtschaftlichen Stabilisierung. Jörg Rutschke machte deutlich, dass die sieben Prozent Mehrwertsteuer aus Sicht der Branche für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen und den Außer-Haus-Markt entlasten. Gerade weil Personal- und Lebensmittelkosten zuletzt stark gestiegen sind und die Nachfrage in vielen Bereichen verhalten bleibt, gilt die Steuerentlastung als wichtiger Hebel, um Unternehmen wieder mehr Luft für Investitionen, Löhne und betriebliche Entwicklung zu verschaffen. Damit fügt sich das Thema direkt in die Reformagenda der DEHOGA Caterer für 2026 ein, die auf weniger Belastung und mehr wirtschaftliche Handlungsfähigkeit setzt.
DEHOGA drängt auf Tempo bei Reformen und mehr Flexibilität
Jana Schimke machte für den DEHOGA deutlich, dass die Branche 2026 als echtes Reformjahr braucht. Im Mittelpunkt stehen ein konsequenter Bürokratieabbau, flexiblere Arbeitszeitmodelle und spürbare Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Aus Sicht des Verbands geht es darum, Betriebe schneller von unnötigem Aufwand zu befreien, neue Vorschriften stärker an der Praxis zu messen und wirtschaftliche Spielräume zurückzugewinnen.
Dazu zählt auch die Forderung, von der täglichen Höchstarbeitszeit auf eine Wochenhöchstarbeitszeit umzustellen, damit Unternehmen saisonale Spitzen, Veranstaltungen und den realen Personalbedarf besser organisieren können.
Wochenarbeitszeit jetzt als Kampagne für mehr Flexibilität
Mit „Wochenarbeitszeit jetzt“ hat der DEHOGA seit Februar 2026 eine bundesweite Kampagne gestartet, die eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vorantreiben soll. Im Kern geht es darum, die starre tägliche Höchstarbeitszeit durch eine flexiblere Wochenarbeitszeit zu ersetzen.
Die Kampagne läuft über eine eigene Online-Plattform mit Fakten, Praxisbeispielen und Stimmen. Hinzu kommen Social-Media-Aktivitäten unter dem Hashtag #wochenarbeitszeitjetzt und eine begleitende politische Kommunikation. Ziel ist es, Betriebe wie Beschäftigte gleichermaßen einzubinden. Aus Sicht des DEHOGA wäre die Umstellung ein wichtiger Schritt, um Unternehmen handlungsfähiger zu machen, Teams zu entlasten und die Branche insgesamt attraktiver aufzustellen.
Kita- und Schulverpflegung sowie Tierhaltungskennzeichnung bleiben auf der Agenda
Für die Caterer im DEHOGA endet die Reformdebatte nicht bei Steuern, Arbeitszeit und Bürokratieabbau. Auch für 2026 und 2027 haben sie zentrale Themen der Verbandsarbeit definiert. Ein Schwerpunkt bleibt die Kita- und Schulverpflegung, die für viele Unternehmen ein wichtiges Zukunftsfeld ist und zugleich stabile, praxistaugliche Rahmenbedingungen braucht. Ebenso klar positioniert sich die Branche bei der Frage, wie der Außer-Haus-Markt vor zusätzlicher Regulierung geschützt werden kann.
Besonders kritisch sehen die Caterer die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf den Außer-Haus-Markt. Während die Kennzeichnung bei frischem, unverarbeitetem Schweinefleisch im Einzelhandel bereits gilt, könnte sie künftig auch Restaurants, Kantinen, Caterer und die Systemgastronomie erfassen. Aus Sicht der Branche würde das vor allem den administrativen Aufwand deutlich erhöhen. Speisekarten, Dokumentation und Kontrollen müssten angepasst werden, obwohl die praktische Umsetzung gerade bei verarbeiteten Produkten und komplexen Lieferketten als schwierig gilt.
Die Kritik richtet sich dabei nicht gegen Transparenz an sich, sondern gegen eine Lösung, die in der Praxis als schwer handhabbar eingeschätzt wird. Der DEHOGA und weitere Verbände warnen davor, dass zusätzliche Kennzeichnungspflichten Betriebe belasten, ohne einen spürbaren Mehrwert für Gäste oder Unternehmen zu schaffen. Genau deshalb bleibt das Thema Tierhaltungskennzeichnung für die Caterer ein zentraler Punkt in der Verbandsarbeit der kommenden Jahre.
Fazit: Die Branche fordert Entlastung statt neuer Lasten
Für die Caterer im DEHOGA ist die Stoßrichtung klar. 2026 soll zum Reformjahr werden, in dem wirtschaftliche Entlastung, Bürokratieabbau und praxistaugliche Regeln Vorrang haben. Die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf den Außer-Haus-Markt gilt aus Sicht der Branche als Beispiel für zusätzliche Belastung ohne erkennbaren Mehrwert für Gäste. Genau deshalb will der Verband den politischen Druck in den kommenden Monaten weiter erhöhen und seine Reformoffensive mit Nachdruck vorantreiben.
Im Mittelpunkt stehen dabei Gespräche mit Politik und Verbänden, die weitere Mobilisierung der Branche sowie der Ausbau bestehender Kampagnen wie „Wochenarbeitszeit jetzt“. Parallel sollen weitere Entlastungen bei Abgaben und Regulierung auf die politische Agenda gesetzt werden. Der DEHOGA macht damit deutlich, dass es für Gastronomie, Catering und Gemeinschaftsverpflegung jetzt vor allem um Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und praktikable Rahmenbedingungen geht.



