apetito zeigte beim ESPEN-Kongress in Berlin, wie IDDSI-Standards in der Praxis wirken
„Püriert“, „passiert“, „Weichkost“: Drei verschiedene Begriffe, die im Versorgungsalltag oft fallen. Doch was in der Klinik gemeint ist, kann in der Pflege etwas anderes bedeuten. Für Menschen mit einer
Schluckstörung (Dysphagie) ist das kein sprachliches Detail, sondern ein Sicherheitsrisiko – besonders an den Übergängen zwischen den Versorgungsbereichen. Beim 48. ESPEN-Kongress in Berlin (5. bis 8. September 2026) rückte deshalb eine internationale Initiative ins Programm, die genau hier ansetzt: die International Dysphagia Diet Standardisation Initiative, kurz IDDSI.
„IDDSI schafft eine gemeinsame Sprache und damit Sicherheit. Erst wenn alle Beteiligten dieselben Konsistenzstufen meinen, lässt sich eine ärztlich oder logopädisch festgelegte Kostform über alle Schnittstellen hinweg verlässlich umsetzen. Standards sind deshalb die Grundlage einer verlässlichen Versorgung“, sagt Dr. Volker Runge, Consultant Special Nutrition bei der apetito AG. Das Unternehmen steuert für einen Kongress-Workshop seine winVitalis-Menüs bei, die sich bereits an IDDSI orientieren
und texturmodifizierte Kost veranschaulichen.
Ein Klassifikationssystem auf der großen Fachbühne
Der ESPEN-Kongress zählt zu den bedeutendsten Foren für klinische Ernährung und Stoffwechsel. Mehrere Tausend Fachleute kamen aus über 100 Ländern unter dem Motto „Nutrition is the Mission“ im Estrel Congress Center in Berlin zusammen. Gastgeber ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM).
Bereits zum Auftakt am Samstag war die Dysphagiekost fester Bestandteil des Programms: Im ESPEN-IDDSI Joint Dysphagia Workshop zeigten Fachleute, wie sich texturmodifizierte Kost nach einheitlichen Kriterien beschreiben, herstellen und sicher einsetzen lässt. „Wir sehen es als gemeinsame Aufgabe von Fachkreisen, Wirtschaft und Politik, Standards wie IDDSI zu verankern“, so Volker Runge.
Warum das Thema drängt
Schluckstörungen betreffen alle Altersgruppen. Im Versorgungskontext stehen jedoch ältere und pflegebedürftige Personen im Vordergrund. Studiendaten legen nah, dass in stationären Pflegeeinrichtungen rund 50 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner eine Dysphagie aufweisen. Die möglichen Folgen durch Verschlucken: Nahrung oder Flüssigkeit kann in die Atemwege gelangen – mit der Gefahr einer Aspirationspneumonie und einem erhöhten Sterberisiko. Hinzu kommen Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel, funktioneller Abbau und der Rückzug aus dem gemeinsamen Essen. Eine an die Schluckfähigkeit angepasste Konsistenz gehört deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen der Versorgung. Ihr Nutzen hängt jedoch von einer präzisen und reproduzierbaren Umsetzung ab.

Eine gemeinsame Sprache für Sicherheit
Genau hier setzt IDDSI an. Die Initiative veröffentlichte 2017 ihr Grundgerüst: acht klar definierte Stufen (Level 0 bis 7), die Getränke und Speisen anhand objektivierbarer Kriterien wie Fließverhalten, Härtegrad und Partikelgröße beschreiben. Studien bestätigen, dass die Einstufung zuverlässig funktioniert. Der Nutzen zeigt sich nicht nur in Sachen Sicherheit. Weniger restriktive Stufen wie Level 6 („weich und mundgerecht“) ermöglichen Betroffenen eine strukturierte, optisch erkennbare Mahlzeit statt pauschal pürierter Kost. Essfreude, Autonomie und soziale Teilhabe bleiben so eher erhalten.
Standards weiter stärken
IDDSI wird bereits in über 50 Ländern implementiert. Im deutschsprachigen Raum weisen aktuelle Daten auf ein hohes Bewusstsein für die Standards hin, allerdings auch auf einen heterogenen Implementierungs-stand. Die Einführung in Einrichtungen erfordert Schulung, klare Prozesse und interdisziplinäre Teams.
Der ESPEN-IDDSI Joint Dysphagia Workshop steht damit für eine Entwicklung, die über einen Kongresstag hinausreicht. Menschen mit Schluckstörungen haben ein Recht auf eine bedarfsgerechte, sichere und würdevolle Ernährung. Ein einheitlicher Standard schafft die Voraussetzung, diesen Anspruch systematisch einzulösen.
Über die apetito AG
Die apetito AG ist ein international tätiges Familienunternehmen mit Hauptsitz in Rheine. Seit der Gründung durch Karl Düsterberg im Jahr 1958 entwickelt apetito Verpflegungslösungen für Kitas und Schulen, Unternehmen, Senioreneinrichtungen, Kliniken sowie die Versorgung zu Hause. Heute verpflegt die Firmengruppe mit ihren rund 12.800 Mitarbeitenden täglich rund 1,5 Millionen Menschen in neun Ländern. Dabei verbindet apetito kulinarische Kompetenz mit langjähriger Erfahrung und dem Anspruch,
„Genuss fürs Leben“ für alle Menschen erlebbar zu machen.



