Der veröffentlichte Masthuhn-Report 2026 der Albert Schweitzer Stiftung zeigt: 70 % der geprüften Unternehmen haben mehr Tierschutz zugesagt, doch bei der Umsetzung geraten viele ins Stocken. Nestlé und Rügenwalder Mühle haben ihre Zusagen sogar zurückgezogen. Die Stiftung fordert alle Unternehmen auf, ihre Lieferketten umzustellen.
Mit dem Masthuhn-Report 2026 bewertet die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt zum fünften Mal die relevantesten Unternehmen aus Lebensmitteleinzelhandel, Contract Catering, Herstellung, Systemgastronomie und Fleischproduktion. Das Ergebnis: Während drei Gastronomieketten die Kriterien der Masthuhn-Initiative erfolgreich umgesetzt haben und auch zwei Hersteller verhältnismäßig gut dastehen, bleiben Handel und Catering zurück.
„Viele Unternehmen hatten zugesagt, ihre Lieferketten bis 2026 auf die Kriterien der Masthuhn-Initiative umzustellen, aber ihre Frist inzwischen bis 2030 verlängert“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. „Ohne deutlich mehr Einsatz drohen sie jedoch auch dieses Ziel zu verfehlen. Deshalb gewichten wir die praktische Umsetzung ab diesem Jahr noch stärker. Zudem fordern wir konkrete Zwischenziele und wesentlich schnellere Fortschritte. Vorreiter wie Dr. Oetker, Hans im Glück und andere zeigen, dass die Umstellung möglich ist.“
Zur Ermittlung der insgesamt 64 Unternehmens-Scores von 0 bis 100 % wurden öffentliche Zusagen zur Unterstützung der Masthuhn-Initiative, Roadmaps, Fortschrittsberichte und die dokumentierte Umsetzung der Kriterien berücksichtigt.
Lebensmittelhandel: Fast alle an Bord, aber keiner schafft 60 %
14 der 17 bewerteten Supermärkte und Discounter gaben eine Zusage zur Umsetzung. Trotzdem bleiben im Jahr 2026 alle Händler unter 60 % des Gesamtscores.
Bei den Discountern führt Aldi Süd mit 54 %, dem besten Ergebnis im gesamten Handel. Unter den Supermärkten liegt Globus mit 48 % vorn. Neu dabei sind Wasgau (40 %) und Hit (38 %). Rewe und Penny erreichen jeweils 42 %, gehören jedoch bei der konkreten Umsetzung zur Spitze.
Marktführer Edeka (26 %) bekommt im Jahr 2026 erstmals Punkte, legt bisher aber weder Roadmap noch Fortschrittsbericht vor. Bei Netto ApS (0 %), K+K Klaas & Kock (0 %) und Famila Nordost (Bartels-Langness) (0 %) wartet die Albert Schweitzer Stiftung weiterhin auf Zusagen.
Contract Catering: Viele Zusagen, wenig Belege
Zwölf der 15 größten Caterer unterstützen die Masthuhn-Initiative. Der Spitzen-Score liegt jedoch nur bei 36 % und wird lediglich von Dussmann und Primus erreicht.

Die niedrigen Zahlen erklären sich durch eine zu langsame Umsetzung, fehlende oder unvollständige Roadmaps und häufig unzureichende Fortschrittsberichte. Dies gilt sowohl für die beiden Top-Platzierten als auch für das gesamte Mittelfeld von Aramark (32 %) bis Wisag (26 %).
Consortium Gastronomie (0 %) und Vielfalt Menü (0 %) haben sich bislang nicht zur Umsetzung der Kriterien der Masthuhn-Initiative verpflichtet. Genuss & Harmonie (0 %) hat das eigene Tierschutzversprechen im Jahr 2026 widerrufen.
Hersteller: Dr. Oetker zeigt, wie es geht
Von den neun analysierten Lebensmittelherstellern legen fünf eine Zusage vor. Dr. Oetker (88 %) führt zum zweiten Mal in Folge. Frosta (64 %) hat erstmals einen vollständigen Umsetzungsplan mit Jahreszielen bis 2030 und landet auf dem zweiten Platz.
Woanders klaffen Zusage und Umsetzung teils deutlich auseinander: Bofrost (40 %) verfügt über Commitment und Roadmap, berichtet jedoch nur unvollständig über Fortschritte. Die Apetito AG (26 %) verliert Punkte durch die fehlende Roadmap und ein lückenhaftes Reporting. Nomad Foods (Iglo) (24 %) hat die Umsetzungsfrist aus seiner Zusage gestrichen, berichtet nur unvollständig und hat keine Roadmap.
Die letzten Plätze belegen Nestlé (0 %) und Rügenwalder Mühle (0 %), die ihre Tierschutz-Zusagen komplett zurückgezogen haben, sowie Eismann (0 %) und OSI Food Solutions (0 %), die bislang keine Zusage vorlegen.
Systemgastronomie: Drei Vorreiter liefern, McDonald’s und Burger King bremsen
Die Bahnhofsgastronomiekette Yorma’s (100 %) und die Pizzakette 60 seconds to Napoli (100 %) erfüllen alle Kriterien der Masthuhn-Initiative. Damit ziehen sie mit Hans im Glück gleich: Die Burgerkette hatte die Umsetzung bereits Ende 2024 erfolgreich abgeschlossen.
Das Mittelfeld zeigt ein durchwachsenes Bild: L’Osteria (52 %) legt eine vollständige Roadmap vor und will diese bis 2027 umsetzen. Dean & David (42 %) weist bei Besatzdichte und gesünderen Zuchtlinien noch keinerlei Umsetzung aus. Bei KFC (38 %) fehlt eine Roadmap und das Reporting basiert noch auf Zahlen aus dem Jahr 2024.
Die Marktführer McDonald’s (0 %) und Burger King (0 %) schneiden weiterhin schlecht ab: Von keinem der beiden gibt es eine verbindliche Zusage zu einer Anhebung der Tierschutzstandards für Masthühner. Immerhin benennt Burger King auf der eigenen Webseite Probleme in der Hühnermast und kündigt an, in den nächsten Monaten mögliche Schritte für eine Verbesserung zu evaluieren.

Produzenten: Mehr Tierschutz wird zum Standard, Rothkötter und Sprehe ziehen nicht mit
Die meisten Produzenten liefern bereits Hühnerfleisch, das die Kriterien der Masthuhn-Initiative erfüllt. TLC Landgeflügel, LDC, PHW und Plukon erhalten die volle Punktzahl in der Kategorie „Umsetzung“, auch wenn bisher nur ein Teil der Produktionen umgestellt ist. Damit würdigt der Masthuhn-Report den Aufbau essenzieller Produktionsstrukturen, der langfristige Investitionen inklusive neuer Zuchtlinien, Partnerschaften mit Mästern und teilweise auch Stallumbauten umfasst.
Auch Borgmeier produziert Hühnerfleisch nach höheren Tierschutzstandards, kommuniziert dies aber nicht öffentlich – eine zwingende Voraussetzung, um Punkte im Masthuhn-Report zu erhalten.
Von Sprehe und Rothkötter fehlt weiterhin eine Zusage. Während sich Sprehe vorübergehend gesprächsbereit zeigte, verweigern beide Unternehmen mittlerweile den Dialog zum Thema Tierschutz.
Unternehmensversprechen müssen jetzt Wirkung zeigen
Esther Erhorn blickt trotz Aussteigern und Null-Prozent-Kandidaten vorsichtig optimistisch auf die Ergebnisse des Masthuhn-Reports und appelliert erneut an die Unternehmen:
„Engagierte Gastronomen, Hersteller und Händler haben bereits viel erreicht und zeigen, dass höhere Tierschutzstandards auch unter Preisdruck umsetzbar sind. Trotzdem verweigern Branchenriesen wie McDonald’s, Burger King, Rothkötter und Sprehe ihre Zusage, während Nestlé und Rügenwalder Mühle ihre Versprechen sogar zurückgezogen haben. Jeder weitere Aufschub bedeutet, dass Millionen Hühner weiter unter Qualzucht, Platzmangel und schlechten Haltungsbedingungen leiden. Wir fordern alle Unternehmen auf, sich zu den Kriterien der Masthuhn-Initiative zu verpflichten und die Umsetzung stringent voranzutreiben. Entscheidend sind jetzt nachweisbare Verbesserungen für die Lebensrealität der Tiere. Vor allem die Umstellung auf gesündere Zuchtlinien und geringere Besatzdichten muss stärker priorisiert werden.“
Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung und bleibt im Austausch mit Entscheiderinnen und Entscheidern. Am 4. November diskutiert die Stiftung beim Runden Tisch in Berlin mit Vertreterinnen und Vertretern aus Lebensmittelwirtschaft, Politik und Wissenschaft über konkrete Schritte und wirksame Strategien für eine Verbesserung der Tierhaltung in Deutschland.
Hintergrund: Methodik und Gewichtung im Masthuhn-Report 2026
Die Grundlage für die Analysen der Albert Schweitzer Stiftung bilden Selbstauskünfte der Unternehmen zum deutschen Markt. Beim Lebensmitteleinzelhandel wurden zusätzlich Ergebnisse aus dem Greenpeace-Supermarkt-Check 2025 berücksichtigt.
Der Gesamtscore (100 %) im Masthuhn-Report 2026 setzt sich aus vier Bereichen mit unterschiedlicher Gewichtung zusammen:
- öffentliche Zusage zur Umsetzung: 20 %
- konkreter Umsetzungsplan (Roadmap): 8 %
- aktueller Fortschrittsbericht: 12 %
- dokumentierte Umsetzung: 60 %
Die Umsetzung zählt damit stärker als im Jahr 2025, da viele Unternehmen sich ursprünglich 2026 als Zieljahr gesetzt hatten. Innerhalb der Umsetzung werden zudem die geringere Besatzdichte und gesündere Zuchtlinien besonders stark gewichtet. Redaktionsschluss für den Masthuhn-Report 2026 war der 19. Oktober 2026.
Über den Masthuhn-Report
Der Masthuhn-Report dokumentiert seit 2022 die Fortschritte der Lebensmittelwirtschaft beim Tierschutz in der Hühnermast. Bewertet werden Unternehmen aus fünf Schlüsselbranchen. Alle am Ranking beteiligten Unternehmen werden vorab informiert und haben die Möglichkeit, öffentliche Informationen zu ergänzen. Ziel des Masthuhn-Reports ist es, Tierschutz messbar zu machen und einen nachhaltigen Wandel in der Lebensmittelwirtschaft voranzutreiben.
Über die Masthuhn-Initiative
Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehr als 640 Millionen Hühner gemästet und getötet – das sind über 86 % aller geschlachteten Landtiere. Die meisten dieser Tiere wachsen so schnell, dass sie sich kaum auf den Beinen halten können. Die triste und enge Stallumgebung sorgt für zusätzliches Leid. Um dieses zu lindern, hat die Albert Schweitzer Stiftung mit über 30 anderen europäischen Organisationen die Masthuhn-Initiative ins Leben gerufen. Gefordert wird unter anderem mehr Platz, Beschäftigungs- und Pickmaterial für die Tiere sowie eine zuverlässigere und weniger stressvolle Betäubung vor der Schlachtung. Außerdem ist die Verwendung von langsamer wachsenden, insgesamt gesünderen Zuchtlinien vorgeschrieben. Dies wird mittlerweile auch von den Haltungsformen 3 und 4 abgedeckt, sofern die Gasbetäubung als Zusatzkriterium ergänzt wird.
Über die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich für eine Welt ein, in der kein Tier mehr für die Herstellung von Lebensmitteln leidet. Sie wirkt auf wichtige Akteure aus Wirtschaft und Politik ein, um Tierschutzstandards zu erhöhen, den Verbrauch von Tierprodukten zu reduzieren und das pflanzliche Lebensmittelangebot zu verbessern. Dabei nutzt sie auch juristische Mittel. Interessierten bietet sie fundierte Informationen und zeigt Alternativen auf. Mehr erfahren Sie auf https://albert-schweitzer-stiftung.de.



